Lübeck - Stadt der Kirchenorgeln Die einstige ‘Königin der Hanse’ kann auf eine lange und reiche Orgelbaugeschichte zurückblicken. Bereits im 14. Jahrhundert wird von dem Vorhandensein von Orgeln berichtet. In den mittelalterlichen Kirchen befanden sich teilweise sogar zwei oder mehr Pfeifeninstrumente, meist eine große Westorgel und zusätzlich kleinere Orgeln in Seitenschiffen für Andachten. Im Lauf der Jahrhunderte wurden die Orgeln dem jeweiligen Klangideal durch Ergänzungen, Erweiterungen und Austausch von Registern angepasst oder durch einen völligen Neubau ersetzt. So sind im heutigen Bestand an Orgeln Beispiele aus Gotik, Renaissance, Barock, Romantik und Neuzeit zu finden. Verrottung alt gewordenen Materials, Schäden durch Ungeziefer, Abkehr von bisher gewohnten Klangfarben, Kriegseinwirkung oder falsche Klimatisierung des Kirchenraums hatten den Verlust historischer Bestände zur Folge. Andererseits entstanden im Zuge der Weiterentwicklung des Orgelbaus prachtvolle Werke im Stil der Renaissance und des Barock. Im 19. Jahrhundert wiederum wurden in einigen Kirchen hinter den erhaltenen alten Prospekten neue romantische Werke eingebaut. Schließlich kam es nach 1925 im Sinne der Orgelbewegung zu erheblichen Eingriffen. Orgeln, die im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört worden sind, wurden in den letzten dreißig Jahren nach neuesten Maßstäben der Orgeldenkmalpflege restauriert Seit Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden in Vorstadtkirchen Orgeln mit pneumatischer Traktur und den für die Romantik typischen Klangfarben. Auch hier kam es durch die Orgelbewegung zu Eingriffen zu Gunsten neobarocker Klänge. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Orgellandschaft durch Neubauten verschiedenster Orgelbaufirmen vielfältiger. Bei dem derzeitigen Bestand an Orgeln ist es in Lübeck möglich, Orgelklänge aller Epochen der Orgelbaugeschichte zu hören.
Orgeln in den Innenstadtkirchen: Dom Die erste Domorgel stammte aus den Jahren 1396/99. Nach einer überlieferten farbigen Zeichnung war es ein gotisches Blockwerk. 1596 wurde dieses Werk abgerissen und 1606 durch ein zweimanualiges ersetzt. 1696 – 1699 entstand die berühmte Arp-Schnitger-Orgel, erbaut von dessen Gesellen Hans Hantelmann. Erhalten ist von diesem Instrument der im St. Annen-Museum ausgestellte Spieltisch. (Das einzige Holzregister befindet sich als Hausorgel in Stade in Privatbesitz). 1893 baute die Firma E.F.Walcker & Cie. hinter dem barocken Prospekt ein romantisches Orgelwerk ein, das 1942 bei dem Bombenangriff auf Lübeck zerstört wurde. Nach dem Wiederaufbau des Domes kam es zunächst zu Zwischenlösungen durch die Firma E.Kemper & Sohn. Die gegenwärtige Orgel an der Nordwand wurde von der dänischen Orgelbaufirma Marcussen & Søn gebaut. Daten: Marcussen & Søn, Apenrade / Dänemark, 1970. Hauptwerk, Oberwerk, Rückpositiv, Pedal, 49 Register (mit Zimbelstern und Nachtigall, 2 Tremulanten (OW, RP), Normalkoppeln, Jalousieschweller (OW); mechanische Spieltraktur, elektrische Registertraktur, elektronische Setzeranlage; Schleifladen. St. Aegidien In dieser Kirche geht die Orgelbaugeschichte bis in das 15. Jahrhundert zurück. Die bedeutendste Orgel wurde von Hans Scherer dem Jüngeren erbaut und 1625 eingeweiht. Nach zwischenzeitlichen Ergänzungen und Veränderungen baute 1916 Emanuel Kempper (sen.) hinter der alten Fassade von Michael Sommer und Baltzer Winne ein neues romantisches Werk ein. Unter dem Einfluss der Orgelbewegung baute 1939/40 Karl Kemper das Instrument zu einer mechanischen Schleifladenorgel um und passte das Werk den Gegebenheiten der alten Fassade an. Die heutige Orgel ist ein von der Tradition unabhängiger Neubau durch die Orgelbaufirma Johannes Klais unter Einbeziehung des historischen Prospektes. Der Klangcharakter vor allem des schwellbaren Brustwerkes (Recit) orientiert sich an französischen Klangbildern. Daten: Johannes Klais Orgelbau KG (Hans Gerd Klais), Bonn, 1982. Hauptwerk, Rückpositiv, Recit (schwellbares Brustwerk), Pedal, 43 Register (mit Zimbelstern), 2 Tremulanten, Koppeln: BW/HW, RP/HW, BW/P, RP/P, HW/P; Generalkombinationstasten, Setzertaste; Auslösertaste; mechanische Spiel- und Registertraktur, zusätzlich 6 elektrische Setzerkombinationen. St. Petri Urkundliche Hinweise gehen bis zum Jahr 1403 zurück. Über eine lange Zeit hinweg befanden sich hier zwei Orgeln. Das berühmteste Orgelwerk vollendete Gottschalk Johannsen gen. Borchert 1591 mit Ober- (Haupt-)werk, Brustwerk, Rückpositiv und Pedal und insgesamt 45 Registern, von denen einige in Lübeck erstmalig verwendet wurden. Der Renaissanceprospekt war das Werk von Tönnies Evers. 1888 wurde hinter der Renaissancefassade ein romantisches Werk von der Firma E.F.Walcker & Cie. fertig gestellt. Die Prospektpfeifen blieben stumm. Die Traktur war weitgehend mechanisch, die Pfeifen standen auf Kegelladen. 1936 wurde durch Karl Kemper die Disposition im Sinne der Orgelbewegung aufgehellt. Beim Bombenangriff 1942 wurde die Orgel zerstört. Von der Prof. Dr. Julius Edelhoff-Stiftung durch einen Sockelbetrag angestoßen, stiftete die Sparkasse zu Lübeck anlässlich ihres 175-jährigen Bestehens 1992 das Geld für eine Chororgel in St. Petri. Den Auftrag erhielt die Firma Hinrich Otto Paschen aus Kiel. Am 30. Oktober 1992 fand die Einweihung der Orgel statt. Als Besonderheit ist anzumerken, dass der Spieltisch in das Positiv eingefügt ist. Der Organist sitzt vor dem Hauptwerk und blickt über das Positiv zum Dirigenten bzw. zur Gemeinde. Auf einer luftkissenähnlichen Anlage ist die Orgel fahrbar und kann im vorderen Bereich der Kirche je nach Bedarf an verschiedenen Stellen platziert werden. Daten: Hinrich Otto Paschen, Kiel, 1992. Hauptwerk (I), Positiv (II), Pedal, 19 Register, Manual-Schiebekoppel; mechanische Spiel- und Registertraktur, Schleifladen fahrbar. St. Marien Aus einem Vermerk von 1377 kann geschlossen werden, dass zu jener Zeit bereits eine Orgel vorhanden war. 1396/99 ist von einer neuen Orgel an der Westseite zwischen den Türmen die Rede. In einer zum nördlichen Seitenschiff angrenzenden Kapelle entstand 1475/77 das Hauptwerk der berühmten Totentanzorgel von Johannes Stephani, das 1558 von Jakob Scherer durch ein Rückpositiv und 1621/22 von Henning Kroeger durch ein Brustwerk erweitert wurde. An der Westfassade entstand in den Jahren 1516 bis 1518 eine große Orgel mit einem prachtvollen spätgotischen Prospekt, in dessen Mittelfeld Pfeifen eines Prinzipal 32’ in die Höhe emporragten. Als Erbauer wurde bisher Bartold Hering vermutet, was jedoch nach neueren Forschungen in Frage gestellt wird. Die Orgel bestand aus dem Hauptwerk, Unterwerk sowie Pedalwerk und wurde 1561 von Jakob Scherer durch ein kleines Brustwerk ergänzt. Über einen langen Zeitraum hinweg waren viele bekannte Orgelbauer an Reparaturen und Veränderungen beteiligt bis von 1851 bis 1854 hinter dem historischen Prospekt eine neue Orgel mit vier Manualen und einem Groß- und Kleinpedal von Johann Friedrich Schulze aus Paulinzella gebaut wurde. Diese Orgel hatte 78 Register mit meist mechanischer Traktur, zum Teil auch pneumatischen Hilfseinrichtungen. Das Brustwerk von 1561 wurde zu einer Kleinorgel auf dem Lettner umgebaut. Nach dem Bombenangriff auf Lübeck wurden auch in dieser Kirche alle Orgeln zerstört. 1955 entstand im nördlichen Seitenschiff auf der Höhe des Hochchores durch Emanuel Kemper jun. eine neue dreimanualige Totentanzorgel mit Pedal, die 1986 von der Firma Alfred Führer Orgelbau mit einer viermanualigen Orgel und Pedal abgelöst wurde. Dieses Instrument erinnert nur wegen ihres Standortes an die berühmte ursprüngliche Totentanzorgel und soll jene nicht kopieren. Seit 1968 ragt an der Westwand der Basilika die Große Orgel von Emanuel Kemper jun. mit fünf Manualen, Pedal und 101 Registern auf. Sie gilt als eine größten Orgeln mit mechanischer Spieltraktur. Die Registertraktur ist elektrisch. In der Briefkapelle von St. Marien steht ein Positiv von Johannes Schwarz aus dem Jahr 1723. Sie stammt aus dem ehemaligen Ostpreußen und kam 1933 über die Firma Kemper nach Lübeck, wo sie unmittelbar nach Kriegsende in St. Katharinen aufgestellt war und heute in der Briefkapelle erklingen kann. Daten: Große Orgel Emanuel Kemper & Sohn, Lübeck, 1968. Kronenwerk (V), Oberwerk (Schwellwerk, IV), Brustwerk (Schwellwerk, III), Hauptwerk (II), Rückpositiv (I), Großpedal, Kleinpedal; 101 Register, Glockenspiele 8’u. 4’ im HW, Glockenspiele 4’ u. 2’ im OW, Tremulanten in allen Manualwerken und im Großpedalwerk; Koppeln, 6 freie Kombinationen, 4 freie Pedalkombinationen, beide Pedalwerke einzeln abschaltbar; Jalousieschweller OW und BW, Rollschweller; mechanische Spieltraktur, elektrische Registrieranlage. Totentanzorgel Alfred Führer Orgelbau, Wilhelmshaven, 1986. Hauptwerk, Brustwerk, Oberwerk, Rückpositiv, Pedal, 56 Register, Tremulanten BW,OW, RP, Schweller OW, Koppeln RP/HW, OW/HW, BW/HW, HW/P, OW/P, RP/P; mechanische Spiel- und Registertraktur, zusätzlich elektrische Registertraktur mit 32-facher Setzerkombination, Schleifladen mit Magneten. Positiv in der Briefkapelle Johannes Schwarz, 1723 / Karl Kemper, Lübeck 1933. 1 Manual, 8 Register in Diskant und Bass geteilt, Tremulant, Zimbelstern. St. Jakobi Es dürfte einmalig sein, dass in einer Kirche gleich zwei historische Orgeln weitgehend erhalten sind. Hinzu kommt ein rekonstruiertes Orgelpositiv in einem original erhaltenen Gehäuse, so dass die ‘Familie’ aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit der Großen Orgel, der Kleinen Orgel (Stellwagenorgel) und der ehemaligen Lettnerorgel wieder vollzählig ist.
Hinzu kommen zwei kleinere Instrumente, die orgelbaugeschichtlich Aufmerksamkeit verdienen: das Positiv des Lübecker Orgelbauers Theodor Vogt vermutlich aus dem Jahr 1835 und die Hausorgel des ehemaligen Jakobiorganisten und Komponisten Hugo Distler aus dem Jahr 1938. Große Orgel Reste des alten Fundamentes gehen auf die Jahre 1464/66 zurück. Die gotische Hauptwerksfassade stammt von 1504, genannt wird der damalige Werkmeister Peter Lasur. 1573 entstand durch Hans Köster ein Rückpositiv. 1673 ergänzte der Hamburger Orgelbauer Jochim Richborn das Hauptwerk mit neuen Registern, erweiterte das Rückpositiv, fügte ein Brustwerk ein und flankierte das Hauptwerk mit den Pedaltürmen. Eine Aufzeichnung der damaligen Disposition ist erst seit 1739 überliefert. Es folgten viele Reparaturen und Anpassungen an das jeweilige Klangideal, was bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts klangliche und auch technische Veränderungen zur Folge hatte. Während der Amtszeit Hugo Distlers kam es 1935 durch Karl Kemper zu einer ersten grundlegenden Restaurierung. Beim Bombenangriff auf Lübeck 1942 blieb St. Jakobi vor Einschlägen verschont. Zum Schutz gegen mögliche weitere Angriffe wurde die Orgel in einem bunkerartigen Kellergewölbe der Kirche eingelagert. Von 1957 bis 1965 wurde durch Emanuel Kemper jun. die Orgel in mehreren Bauabschnitten wieder aufgestellt und zu einer viermanualigen Orgel erweitert. In den Siebzigerjahren traten statische Probleme auf, die eine Sanierung des tragenden Gebälks notwendig machten. Dies war der Anlass, dass zwischen 1981 und 1984 nach neuesten denkmalpflegerischen Gesichtspunkten eine Maßnahme ergriffen wurde, die Sanierungen, Restaurierungen und Rekonstruktionen von verloren gegangenem historischem Pfeifenmaterial einbezog. Den Auftrag erhielt die Firma Karl Schuke Berliner Orgelbauwerkstatt GmbH. Finanziert wurde dieses Projekt vorwiegend aus Spenden, Zuschüssen u.a. der Possehl-Stiftung zu Lübeck und sogenannten Zonenrandmitteln. Die Gesamtkonzeption orientierte sich an den vorhandenen Resten von 1573 und 1673. Die Orgel verfügt über vier Manuale und Pedal. Das Oberwerk mit vorwiegend französischen Stimmen hebt sich auch architektonisch von den historischen Gehäuseteilen ab, ist aber durch gute Verschmelzung in den gesamten Klangkörper integriert. Daten: Unbekannter Orgelbauer 1664/66, Peter Lasur (?) 1504, Hans Köster 1573, Jochim Richborn, Hamburg 1673, Karl Schuke Berliner Orgelbauwerkstatt GmbH, Altschönow 7b, Berlin, 1981/84. Hauptwerk, Brustwerk, Oberwerk, Rückpositiv, Pedal, 62 Register, Tremulanten BW, OW, RP, Koppeln: RP/HW, OW/HW, BW/HW, HW/P, RP/P, OW/P; Setzerkombinationen, Schweller OW (Jalousien), BW (Türen); Mechanische Spiel- und Registertraktur, zusätzlich elektromagnetische Register- und Koppelanlage, Schleifladen. Kleine Orgel (Stellwagenorgel) Die Anfänge der Kleinen (historischen) Orgel gehen auf das Jahr 1467 zurück. Die bis heute erhaltene spätgotische Fassade beherbergte ein gotisches Blockwerk der Bruderschaft ‘Zum Heiligen Leichnam’ und der Bruderschaft der Krämer, das 1637 von dem Orgelbauer Friedrich Stellwagen zu einer dreimanualigen Schleifladenorgel erweitert wurde. Stellwagen ergänzte das ehemalige Blockwerk (jetzt Hauptwerk) um einige Register, baute darunter ein Brustwerk ein und setzte an die Emporenbrüstung ein Rückpositiv. Das Pedalwerk befand sich hinter dem Hauptwerk. Die Kleine Orgel stand vor und nach dieser Erweiterung im Schatten der Großen Orgel. Die Folge war der für uns heute glückliche Umstand, dass zwischenzeitlich nur wenige Eingriffe vorgenommen wurden und somit das historische Material weitgehend erhalten blieb. Die Romantisierungen des 19./20.Jahrhunderts hielten sich in Grenzen. Bei der Hamburg-Lübecker Organistentagung 1925 konzentrierte sich das Augenmerk der Orgelbewegung auf die Orgel in St. Jacobi (Hamburg), auf die Totentanzorgel in St. Marien (Lübeck) und auf die Kleine (historische) Orgel in St. Jakobi (Lübeck). 1935 veranlasste Hugo Distler die Restaurierung auch dieser Orgel. 1942 wurde diese Orgel zum Schutz vor weiteren Bombenangriffen abgebaut und nach Nusse im Kreis Herzogtum Lauenburg ausgelagert. Bereits 1946 wurde die Orgel von der Firma Emanuel Kemper & Sohn wieder eingebaut und galt nach Kriegsende als die einzige erhaltene und wieder spielbare historische Orgel. 1977/78 kam es zu einer grundlegenden und nach strengen denkmalpflegerischen Gesichtspunkten durchgeführten Restaurierung durch die Firma Gebrüder Hillebrand aus Altwarmbüchen bei Hannover. Ein Gutachterrat mit hiesigen und auswärtigen Sachverständigen begleitete die Arbeiten. Die Finanzierung übernahm die Possehl-Stiftung zu Lübeck. Das Ergebnis war eine Orgel, die der Zeit des Orgelbauers Friedrich Stellwagen entsprach. Deshalb wird sie seitdem ‘Stellwagenorgel’ genannt. Sie ist weltweit eine der wenigen Orgeln, in der weitestgehend der originale Pfeifenbestand aus Gotik und Renaissance erhalten ist. Daten: Unbekannter Orgelbauer 1467 / 1515, Friedrich Stellwagen, Lübeck, 1637, Gebrüder Hillebrandt, Altwarmbüchen, 1977/78. Hauptwerk, Brustwerk, Rückpositiv, Pedal, 31 Register, Tremulanten HW mit BW, RP, P; Koppeln: RP/HW,BW/HW (Schiebekoppel), HW/P, Türen am BW, Mechanische Spiel- und Registertraktur, Schleifladen. Anmerkung: Die von Stellwagen umgestaltete Blockwerkslade stammt aus der Zeit um 1500, die Brustwerks- und die Rückpositivlade stammen von 1637, die Pedallade ist neu und wurde höher gelegt. In den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurden bei den gotischen Pfeifen, vor allem im Hauptwerksprospekt, Zersetzungserscheinungen durch Bleiweiß entdeckt. Um dieses historische Material zu retten, wurde 1998 das von der Europäischen Union geförderte Projekt ‘Collapse’ ins Leben gerufen, an dem sich mit der Kirchengemeinde St. Jakobi das Göteborg Art Center der Universität Göteborg gemeinsam mit der Technischen Universität Chalmers Göteborg, die Universität Bologna und die Orgelbaufirma Marcussen & Søn, Apenrade, beteiligten. 2005 konnten die langwierigen Rettungsarbeiten zum Abschluss gebracht werden. Richbornpositiv (ehemalige Lettnerorgel) Auf dem Gewölbe über der Sakristei befand sich ein Schrank mit der Jahreszahl 1673. Durch intensive Nachforschungen und Vergleiche mit einer Kleinorgel in Skokloster (Schweden) hat sich herausgestellt, dass Jochim Richborn, der 1673 die Große Orgel erweitert hatte, der Erbauer auch dieses Instrumentes war. Dieses Positiv befand sich auf dem Sängerchor (Lettner) bis zum Jahr 1844, als der Lettner abgerissen wurde. Das Pfeifenwerk wurde ausgeräumt, das Gehäuse wurde als Schrank benutzt. Angeregt von dem Orgelbauer und Richbornforscher Mads Kjersgaard veranlasste 1992 mit Hilfe der Denkmalpflege und des Kirchenbauamtes einer der Pastoren die Sicherung dieses Schrankes gegen Wasserschäden und Wurmbefall. Als ausschließlich durch Spenden und aus privaten Stiftungen die Finanzierung für das Projekt ‘Lettnerorgel’ gesichert war, wurde der Schrank von der Restaurierungswerkstatt Matthias Seefried, Bremen, in den Jahren 1999/2000 restauriert. Anschließend wurde das Orgelgehäuse nach Schweden in die Werkstatt des Orgelbauers Mads Kjersgaard transportiert, wo nach den Vorgaben anderer Richbornorgeln, vor allem des Positivs in Skokloster, das Pfeifenwerk, die Spielmechanik und die Windanlage rekonstruiert wurden. Im November 2003 wurde das Positiv in St. Jakobi eingeweiht. Daten: Jochim Richborn 1673 / Mads Kjersgaard, Funbo – Gunsta, Uppsala/ Schweden, 2003. 1 Manual, geteilte Lade, 8 Register, davon 2 Register nur im Diskant, 1 Register nur im Bass, 1 Register in Bass und Diskant teilbar. Windversorgung durch zwei Keilbälge, Balgaufzug durch zwei Riemen, zusätzlich elektrisches Gebläse. Zum Projekt ‘Lettnerorgel’ gehört eine ausführliche Dokumentation: Mads Kjersgaard / Dietrich Wölfel, Zwei Positive des Orgelbauers Jochim Richborn von 1667 und 1673, Lübeck 2005 - zu erwerben über den Verein zur Erhaltung der Kunstwerke, Orgeln und der historischen Bausubstanz n St. Jakobi zu Lübeck e.V., Jakobikirchhof 3, 23552 Lübeck. Positiv von Theodor Vogt Eine besondere Seltenheit aus der Lübecker Orgelbaugeschichte ist das einmanualige (ohne Pedal) Positiv des Lübecker Orgelbauers Theodor Vogt. Vogt war im 19.Jahrhundert für die meisten Lübecker Orgeln zuständig. An ihn erinnert nur noch die Orgel in der Kirche zu Nusse. Dieses Positiv war Eigentum der Lübecker Loge ‘Zur Weltkugel im Orient’ und wurde 1984 über einen der Pastoren der St. Jakobigemeinde geschenkt. Ein Mitarbeiter der Firma Karl Schuke machte sie wieder spielbar. Dieses Positiv ist – abgesehen von einer geringfügigen Ergänzung – ein Zeugnis der Klangvorstellungen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts in Lübeck. Daten: Theodor Vogt, Lübeck, um 1835. 1 Manual, 4 Register, mechanische Spiel- und Registertraktur, Windversorgung mechanisch durch Fußhebel, zusätzlich durch elektrisches Gebläse. Hugo-Distler-Hausorgel Eine weitere Besonderheit auf dem Gelände der St. Jakobigemeinde ist die Hausorgel des ehemaligen Jakobiorganisten Hugo Distler. In Erinnerung an die historischen Jakobiorgeln ließ Distler sich dieses Instrument in seiner Stuittgarter Zeit von dem Göttinger Orgelbauer Paul Ott bauen. Nach einer langen Odyssee wurde dieses Instrument 1957 von der damaligen Lübecker Kirche gekauft und stand einige Jahre in der St.-Jürgen-Kapelle. 1976 wurde das Instrument bei der Firma Kemper auf Lager gestellt und bald darauf in einer Seitenkapelle in St. Jakobi untergestellt. Einer der beiden Jakobipastoren sammelte Spenden und finanzierte die Restaurierung dieser Orgel. Die Arbeiten führte Harald Knorr von der Firma Karl Schuke – Berliner Orgelbauwerkstatt GmbH, Filiale Hitzacker, aus. Kurz vor Distlers 50. Todestag 1992 wurde die Hausorgel im Distler-Saal (Jakobikichhof 5) eingeweiht. Daten: Paul Ott, Göttingen, 1938, Harald Knorr, Hitzacker, (Karl Schuke - Berliner Orgelbauwerkstatt GmbH) 1992. Unterwerk (I), Oberwerk (II), Pedal,16 Register, Tremulant, Koppeln II/I, I/P, II/P, Schleifladen, mechanische Spiel- u. Registertraktur.
Evangelisch-Reformierte Kirche In der Evangelisch – reformierten Kirche befand sich seit 1799 eine Orgel, die 1909 von der Firma E.F.Walcker & Cie. durch ein neues Instrument ersetzt wurde und nach einem Umbau von 1939 und einer Restaurierung von Christian Lobback im Jahr 1986 unter den Instrumenten aus der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert am besten erhalten ist. Daten: E.F.Walcker & Cie., Ludwigsburg 1909 / 1939, Christian Lobback, 1986 Neuendeich. I. und II. Manual, Pedal,18 Register,Koppeln: II/I, I/P, II/P; Diskantkoppelung I/II; feste Kombinationen, Tutti, Piano, Auslöser; freie Kombination, Generalschweller für Manuale und Pedal mit Jalousien nach vorn und oben; Pneumatische Spiel- und Registertraktur, pneumatische Kegellade mit pneumatischer Ansteuerung durch Membranen und Bälgchen. Herz-Jesu-Kirche (römisch – katholisch) 1894 stellte die Firma E.F.Walcker & Cie. eine dreimanualige Orgel mit Pedal auf, die 1941 von der Lübecker Firma Emanuel Kemper & Sohn überarbeitet und 1979 von Peter Sack überholt wurde. 1998 wurde diese Orgel durch den z. Z. in Lübeck jüngsten Neubau dieser Größenordnung durch die Schweizer Orgelbaufirma Th. Kuhn AG, Männedorf / Schweiz, ersetzt. Daten: Orgelbau Th. Kuhn, Männedorf / Schweiz, 1998. Hauptwerk (I), Solowerk (II), Schwellwerk (III) und Pedal, 29 Register, Tremulanten im Solo- und im Schwellwerk; Koppeln: III/I, III/II, III/I; III/P, II/P, I/P; Suboktavkoppel III/I; Wechseltritte für Mixtur, Bombarde, Trompete, Clairon und Trompette harmonique; mechanische Spiel- und Registertraktur.
St. Gertrud Die von der Ludwigsburger Orgelwerkstatt Eberhard Friedrich Walcker & Cie gebaute Orgel in St. Gertrud wurde 1910 mit der Kirche fertig gestellt. Sie wurde von Oskar Walcker, dem Enkel des Firmengründers, errichtet. Die Orgel gehört mit seinen 30 Registern - später um 6 erweitert - zu den wenigen erhaltenen Zeugnissen des deutschen Orgelbaus in Lübeck. Von den Neubauten der Firma Walcker in der Hansestadt (1888 St. Petri, 1893 Dom, 1894 Herz Jesu, 1909 Reformierte Kirche, 1910 St. Gertrud) existieren nur noch die beiden letzten aus der Kaiserzeit. Die Orgelbaufirma Walcker gilt als eine der führenden Repräsentanten des deutschen romantischen Orgelbaus. Das Klangideal der Orgel orientiert sich am symphonischen Orchesterklang. Feinste dynamische Abstufungen bei einem weichen und grundtönigen KLang mit vielen 8´-Registern werden durch Jalousieschwellwerke und "streichende" Register (z.B. Violon oder Geigenprinzipal) verfeinert. Technische Neuerungen wie Röhrenpneumatik, Freie Kombinationen und Crescendowalze erlaub en schnelles Umregistrieren durch den Organisten. 1980 wurde die Orgel in der Hoffnung erweitert, dass damit auch barocke Orgelliteratur besser darstellbar sei. Dabei wurde auch in die technische Anlage der Orgel eingegriffen und ein neuer Spieltisch errichtet. Leider passt die Erweiterung klanglich nicht in das romantische Grundkonzept hinein, so dass er klanglich ein Fremdkörper bleibt. Inzwischen ist die bald einhundertjährige Orgel in einem renovierungsbedürftigen Zustand. Die gesamte technische Anlage arbeitet nicht mehr zuverlässig und bedarf einer grundlegenden Überholung. Nach einem ersten Angebot sind dafür finanzielle Mittel im sechsstelligen Bereich notwendig. Mit einem Benefizkonzert des Kammerorchesters Sinfonietta Lübeck am Kommunalwahlsonntag, 25.5.2008 um 17 Uhr soll auf die Situation aufmerksam gemacht werden und erste finanzielle Mittel eingeworben werden. Unter der Leitung von Kirchenkreismusiker Peter Wolff wird ein sehr abwechslungsreiches Programm musiziert. Den bekannten Vier Jahreszeiten des Italieners Antonio Vivaldi, die von 4 verschiedenen Solisten interpretiert werden, steht eine kammermusikalische Komposition des französischen Komponisten Charles Gounod gegenüber: Petit Symphonie für Blasinstrumente. Das Benefizkonzert wird abgeschlossen von der großen g-Moll Sinfonier von Wolfgang Amadeus Mozart, KV 550. Hier finden Sie noch einige Fotos zur Walcker-Orgel in St. Gertrud.
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